7 PR-Trends, die 2026 die Kommunikation verändern

Geschrieben von Fiona Peitz | Jan 12, 2026 8:28:28 AM

2026 ist mehr als nur ein neues Jahr. Es markiert einen Wendepunkt für die Kommunikationsbranche. Was lange als Zukunftsvision galt, ist inzwischen operative Realität: Künstliche Intelligenz verändert, wie Informationen gefunden, bewertet und weiterverarbeitet werden – und damit auch, wie PR wirkt.

Die folgenden sieben PR-Trends sind keine Prognosen. Sie basieren auf Beobachtungen dessen, was bereits passiert – in Redaktionen, Suchmaschinen, KI-Systemen und Kommunikationsabteilungen. Wer 2026 strategisch kommunizieren will, kommt an ihnen nicht vorbei.

 

Trend 1: Earned Media wird zur Währung der KI-Ära

KI-Systeme wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity beantworten täglich Milliarden von Fragen. Doch woher beziehen diese Systeme ihr Wissen über Unternehmen, Marken und Personen?

Die Antwort ist eindeutig – und für viele überraschend: Weniger als 25 % der Informationen stammen von Unternehmenswebsites. Der Großteil kommt aus earned media: Presseartikeln, Interviews, Fachbeiträgen und redaktionellen Veröffentlichungen.

Damit bekommt klassische PR-Arbeit eine völlig neue Bedeutungsebene. Jede Medienerwähnung wird potenziell Teil des Trainings- und Referenzdatensatzes von KI-Systemen.

Warum das wichtig ist:
Marken, die in seriösen Medien zitiert werden, erscheinen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit in KI-generierten Antworten. Earned Media ist damit nicht mehr nur Reichweite oder Reputation, sondern Sichtbarkeit in einer neuen Dimension.

Besonders interessant: Auch kleinere Branchenmedien, Fachportale und LinkedIn-Newsletter gewinnen stark an Bedeutung. Sie liefern häufig mehr Kontext, Tiefe und Einordnung als klassische Leitmedien – genau das, was KI-Systeme bevorzugen.

 

Trend 2: Von Clicks zu Citations – neue Erfolgsmetriken

Rund 60 % aller Google-Suchen enden heute ohne Klick. KI-gestützte Suchfunktionen liefern Antworten direkt auf der Ergebnisseite. Diese sogenannten Zero-Click-Searches verändern grundlegend, wie Sichtbarkeit gemessen wird.

Website-Traffic und Click-Through-Rates verlieren damit an Aussagekraft. Die zentrale Frage lautet künftig nicht mehr: Wer klickt auf meine Inhalte?
Sondern: Wird meine Marke von KI-Systemen zitiert und wenn ja, wie?

Neue KPIs rücken in den Fokus:

  • Share of Answer: Wie oft erscheint die Marke in KI-generierten Antworten?
  • Citation Rank: An welcher Position wird die Marke genannt?
  • AI Sentiment: In welchem Kontext und mit welcher Tonalität wird die Marke dargestellt?
  • LLM Visibility: In welchen KI-Systemen ist die Marke präsent?

 

Trend 3: Struktur schlägt Content-Menge

KI-Systeme konsumieren Inhalte nicht wie Menschen. Sie lesen nicht linear, sondern analysieren, strukturieren und verknüpfen Informationen.

Das bedeutet: Strukturierte Inhalte werden bevorzugt. Klare Headlines, präzise Expertenstatements, FAQs, Bulletpoints und strukturierte Daten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, korrekt erfasst und zitiert zu werden.

Die Konsequenz: Die Qualität der Daten- und Inhaltsarchitektur wird wichtiger als die schiere Content-Menge. Ein gut strukturiertes, zitierfähiges Interview kann mehr Wirkung entfalten als zehn unstrukturierte Blogposts.

Praxis-Tipp:
Pressemitteilungen sollten 2026 mit Fakten-Boxen, klaren Kernaussagen und zitierfähigen Statements arbeiten. Nicht nur für Journalist:innen, sondern explizit auch für KI-Systeme.

 

Trend 4: Data Governance wird zur Kernkompetenz

Mehr als 50 % der Unternehmen verfügen aktuell über keine KI-Richtlinien. Es fehlt an klaren Strategien zur Strukturierung, Pflege und Bereitstellung von Daten.

2026 wird daher eine Frage zentral: Sind unsere Daten KI-ready?

Dabei geht es weniger um die Auswahl einzelner KI-Tools als um die Organisation von Informationen insgesamt. Relevant sind unter anderem:

  • Pressrooms als kanonische Quellen für KI-Systeme
  • Dokumentationen, die strukturiert, konsistent und aktuell sind
  • Governance-Frameworks, die definieren, wann und wie KI eingesetzt wird

Der Trend ist klar: Kommunikationsabteilungen entwickeln sich zu Datenarchitekten. Die Frage „Wie kommunizieren wir?“ wird ergänzt um: Wie strukturieren wir unsere Kommunikation für Mensch und Maschine?“

 

Trend 5: Personal Brands als Vertrauensanker

In einer Welt voller KI-generierter Inhalte wird menschliche Authentizität zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Menschen vertrauen Menschen – nicht abstrakten Unternehmensmarken.

Die Zahlen sind eindeutig: Personal Brands erzielen bis zu zehnmal höheres Engagement als Corporate Content. Gründer:innen, Geschäftsführer:innen und Fachexpert:innen werden zu den zentralen Gesichtern ihrer Organisationen.

Gleichzeitig zeigt sich ein spannender Gegentrend:
In einer durch KI perfektionierten Kommunikationswelt werden bewusste Imperfektionen zum Vertrauenssignal. Unpolierte, ehrliche Kommunikation wirkt oft glaubwürdiger als perfekt formulierte PR-Texte.

Beobachtung:
Employee Generated Content gewinnt stark an Bedeutung. Mitarbeitende werden zu glaubwürdigen Botschafter:innen. Ihre Stimmen wirken authentischer als offizielle Unternehmenskommunikation.

 

Trend 6: Owned Media als Unabhängigkeitsstrategie

Social-Media-Algorithmen sind volatil. Reichweite ist kaum planbar. Was heute funktioniert, kann morgen an Wirkung verlieren. Die strategische Antwort darauf: Owned Media.


Newsletter entwickeln sich zunehmend zum primären Kommunikationskanal. Sie ermöglichen direkte, stabile Kommunikation, ohne Plattformabhängigkeit und ohne algorithmische Einschränkungen. Auch Podcasts gewinnen an Relevanz, nicht als Nebenprojekt, sondern als fester Bestandteil der Kommunikationsstrategie.

Der Hintergrund: Gut strukturierte Owned-Media-Inhalte werden ebenfalls von KI-Systemen als Quellen genutzt. Ein durchdachtes Newsletter-Archiv kann so zu einer zitierfähigen Wissensressource werden.

 

Trend 7: Crisis Communication in Echtzeit

Deepfakes, Bot-Netzwerke und KI-generierte Falschinformationen können Reputationen innerhalb weniger Stunden massiv beschädigen. Die Geschwindigkeit, mit der sich Narrative verbreiten, hat sich vervielfacht.

Traditionelles Krisenmanagement stößt dabei an seine Grenzen. Monitoring, Abstimmung, Freigaben und Reaktionen dauern oft zu lange. Wer zu spät reagiert oder schweigt, riskiert, dass sich falsche Narrative verfestigen.

Unternehmen müssen neue Fähigkeiten aufbauen:

  • Deepfake-Erkennung
  • Bot-Detektion
  • schnelle, klar definierte Reaktionsprotokolle

Krisenkommunikation wird zur Always-on-Funktion. Der Zustand permanenter potenzieller Krisen – die Perma-Crisis – wird zur neuen Normalität.

 

Fazit: Es geht um Transformation, nicht um Tools

Diese sieben PR-Trends haben eines gemeinsam: Sie erfordern keine Tool-Hektik, sondern neue Denkweisen, Strukturen und Prozesse.

  • PR-Arbeit wird wertvoller, aber auch anspruchsvoller
  • Struktur und Datenarchitektur werden zu zentralen Erfolgsfaktoren
  • Neue Metriken ersetzen klassische KPIs
  • Authentizität und menschliche Kommunikation differenzieren
  • Geschwindigkeit in der Krisenkommunikation wird existenziell

Die Unternehmen, die 2026 erfolgreich kommunizieren, sind nicht zwingend diejenigen mit den neuesten KI-Tools. Es sind diejenigen mit der klarsten Strategie, diese Veränderungen konsequent zu nutzen.

Sie möchten wissen, wo Ihre Kommunikation heute steht und wie Sie sie zukunftsfähig aufstellen? Dann lassen Sie uns darüber sprechen. Wir unterstützen Sie gern bei der Entwicklung Ihrer PR- und Kommunikationsstrategie für 2026.