Medienarbeit: So arbeiten Redakteure

Bei der Medienarbeit seitens der PR ist eine größtmögliche Identifikation mit dem Gesprächspartner von Vorteil. Bereits der Arbeitsablauf eines News-Redakteurs bei einem Medienportal hält wichtige Informationen bereit. Ein exemplarischer Überblick.

Online-Redakteure von Medienportalen arbeiten der Regel nach in Diensten, sprich: Es gibt einen Früh(, Mittel-) und Spätdienst. Der Frühdienst beginnt normalerweise zwischen 5 und 7 Uhr, die wichtigsten Themen der Nacht werden in dieser Zeit aufbereitet: Klassische Themen sind unter anderem Gesellschafts- und Sportthemen international. Der Workflow unterscheidet sich allerdings bei diversen Redaktionen, da zahlreiche Online-Plattformen aus erfolgreichen Print-Tageszeitungen entsprungen sind. In diesem Fall werden vereinzelte Geschichten aus der analogen Ausgabe online nachgezogen, im besten Fall ist es ein weiterführendes Stück einer Meldung, die am Abend zuvor noch für Furore gesorgt hat.

Bis zum Mittag werden die Top-Stories gespielt

In den kommenden Stunden, bis ca. 9 Uhr, wenn der Redaktionsleiter zumeist eintrifft, recherchieren die Redakteure Themen, die für den Tag anfallen. Dabei spielen auch die Nachrichtendienste wie „Deutsche Presseagentur“ (dpa) eine große Rolle, aufgrund von Zeitmangel wird in Online-Redaktionen auch häufiger auf sie zurückgegriffen. Generell gilt: Die großen Medien haben den Anspruch möglichst viel Exklusivität zu bieten und lassen investigative Journalisten passende Geschichten recherchieren. Je kleiner das Portal wird, umso geringer ist dieser Anteil.

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Gegen 9 Uhr findet dann eine erste Konferenz statt, die Ressortleiter tragen ihre Themen vor. Da die Klick-Zahlen nach Mittag ihre Spitze erreicht haben und danach immer weiter abfallen (es sei denn, eine außergewöhnliche Lage steht plötzlich an) ist diese Konferenz von größter Bedeutung. Möglicherweise wurden schon die wichtigsten Themen gespielt (TV-Kritiken immer möglichst früh, Award-Shows wie die Oscars, etc.), die restlichen Topthemen müssen aufgrund des kleinen Zeitfensters schnellstmöglich abgeliefert werden.

Online-Redaktionen müssen jederzeit reagieren können

In zahlreichen Newsportalen, die eng mit der Printredaktion zusammenarbeiten, heißt es dann: Konferenz Nummer zwei. Zumeist startet der Printtag erst deutlich später, gegen 10 Uhr konferieren ausgewählte Print-Redakteure erstmals, einige Online-Kollegen nehmen auch daran teil. Für die Print-Mitarbeiter wird das erste Mal über mögliche Themen gesprochen, außerdem wird die aktuelle Printausgabe besprochen.

Ein echtes Festlegen der Themen findet dabei noch nicht statt. Für die „Onliner“ ist der Tag derweil schon relativ weit vorangeschritten, die Themen stehen bereits. Allerdings heißt das natürlich nicht, dass der Tag schon durchgetaktet ist: Online-Redakteure müssen jederzeit auf aktuelle Geschehnisse reagieren. Je später der Tag, desto unwahrscheinlicher ist es allerdings, dass ein recherchiertes Thema aktuell gespielt wird. (Zeitlose) Themenangebote haben gute Chancen, an den kommenden Tagen vorbereitet und veröffentlicht zu werden.

Der letzte Andruck ist für Print entscheidend

Während die Onliner zwischen 13 bis 15 Uhr den Dienst wechseln, recherchieren und konferieren die „Printler“ noch zwei Mal: Gegen 14 Uhr findet häufig eine weitere Konferenz statt, gegen 17/18 Uhr findet dann bei den Print-Redakteuren das klassische „Steh-C“ statt – die kommende Ausgabe wird von den leitenden Redakteuren abgenommen bzw. verbessert.

Während die Online-Redakteure gegen 22/23 Uhr in den Feierabend gehen, bleibt der Spätdienst der Print-Redakteure sogar bis rund 24 Uhr. Er muss bis zum letzten Andruck auf die aktuelle Lage warten, denn: Wenn die Nachrichten vom Abend nicht mehr ins Blatt kommen, müssen die Leser mehr als 24 Stunden darauf warten. Wichtig dabei: Online-Redakteure sind nur vage an diese Zeiten gebunden, bei aktuellen Ereignissen – derzeit ist die Fußball-Europameisterschaft ein gutes Beispiel – werden Dienstzeiten auch deutlich nach hinten verschoben. Online-Redakteure haben keine explizite Deadline für ihre Geschichten, eine wirklich gute Digital-Redaktion richtet sich diesbezüglich nach den Bedürfnissen des Users.