Marketing und PR befinden sich aktuell in einem grundlegenden Spannungsfeld. Auf der einen Seite eröffnen KI-Tools völlig neue Möglichkeiten: Inhalte lassen sich schneller, günstiger und in deutlich größerer Menge produzieren als je zuvor. Auf der anderen Seite entsteht genau daraus ein wachsender Druck auf Marketingverantwortliche und PR-Teams, ständig präsent zu sein, ständig zu veröffentlichen und immer mehr Content bereitzustellen.
Die Folge ist eine nie dagewesene Content-Masse. LinkedIn-Feeds, Newsletter-Postfächer und Websites sind gefüllt mit Beiträgen, Whitepapern, Videos und Einladungen – häufig gut gemacht, aber zunehmend austauschbar. Gerade dort, wo KI zur automatisierten Content-Produktion eingesetzt wird, gehen Tonalität, Persönlichkeit und individuelle Handschrift verloren. Für viele Zielgruppen fühlt sich diese Form der Kommunikation nicht inspirierend, sondern überfordernd an. Authentizität leidet, Aufmerksamkeit sinkt und Vertrauen nimmt spürbar ab.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Events und Marketingformaten. Digitale Webinare, virtuelle Panels und Online-Demos werden in großer Zahl angeboten – oft kostenlos, oft rein digital, oft mit geringer Verbindlichkeit. Was als niederschwelliger Zugang gedacht war, entwickelt sich zunehmend zur digitalen Reizüberflutung. Die Teilnahmequoten sinken, die Interaktion bleibt oberflächlich und echte Bindung entsteht nur selten.
Wenn Content skaliert, wird Nähe zum Differenzierungsfaktor
Gleichzeitig ist eine klare Gegenbewegung zu beobachten: Die Sehnsucht nach echten, menschlichen Begegnungen wächst. Menschen möchten wieder miteinander sprechen, sich austauschen, gemeinsam etwas erleben. Gerade in einer Zeit, in der Kommunikation zunehmend automatisiert, skaliert und anonym wirkt, gewinnen persönliche Kontakte und physische Erlebnisse wieder an Bedeutung.
Diese Entwicklung ist keine Abkehr von digitalen Kanälen, sondern eine Reaktion auf ihre Übernutzung. Wenn Inhalte jederzeit reproduzierbar sind, steigt der Wert des Nicht-Skalierbaren. Wenn Kommunikation überwiegend digital stattfindet, wird das Analoge zum Differenzierungsmerkmal. Und wenn Vertrauen durch Distanz leidet, entstehen neue Chancen für Formate, die Nähe, Dialog und Authentizität ermöglichen.
Physische Events, persönliche Workshops und hybride Formate rücken damit wieder stärker in den Fokus – nicht als Ersatz für digitales Marketing, sondern als bewusste Ergänzung. Sie schaffen Räume für Begegnung, Orientierung und echte Interaktion und bilden die Grundlage dafür, Marketing wieder menschlicher, relevanter und wirksamer zu gestalten.
Fazit
Die KI-Flut hat Marketing effizienter gemacht, gleichzeitig aber auch zu einer Überforderung auf Seiten der Zielgruppen geführt. Content auf Masse verliert an Wirkung, während Authentizität, Nähe und persönliche Erlebnisse wieder an Bedeutung gewinnen. Menschliche Begegnungen werden damit zu einem zentralen Differenzierungsfaktor im Marketing.
In den folgenden Artikeln zeigen wir, warum menschliche Begegnungen nicht nur emotional, sondern auch strategisch wirken und welche Rolle Events dabei spielen.
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